Sidi Larbi Cherkaoui

Sichtbarkeit in der Tanzwelt erlangte Sidi Larbi Cherkaoui erstmals als aussergewöhnlich gelenkiger Performer in Variété-Shows, Tanzclubs und im Fernsehen. Daraufhin stiess er mit seiner Genter Kompanie Les ballets C de la B zu Alain Platels Iets op Bach. In dieser Umgebung erschuf Cherkaoui für das Tanzstück Rien de Rien (2000), bei dem er sowohl als Regisseur als auch als Tänzer fungierte, seine erste Gesamtchoreografie. Diese brachte ihm einen Nijinski Award ein. Zu seinen darauffolgenden bekannten Produktionen gehören d’avant (mit Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola, Luc Dunberry und Damien Jalet, 2002), Tempus Fugit (2004) und Apocrifu (2007). Sie alle erweiterten und festigten seine Handschrift.

Cherkaouis unstillbare Neugier gegenüber anderen Bewegungssprachen und künstlerischen Traditionen führte zu transformierenden Erfahrungen: So arbeitete er mit dem Kathak-Virtuosen Akram Khan (zero degrees, 2005), den Kampfmönchen des Shaolin-Tempels in China (Sutra, 2008), der Flamenco-Tänzerin Maria Pagés (Dunas, 2009), der Kutchpudi-Tänzerin Shantala Shivalingappa (Play, 2010), dem physischen Tanztheatermacher Wim Vandekeybus (It 3.0, 2011) und dem Aushängeschild des irischen Nationaltanzes, Colin Dunne (Session, 2019), zusammen.
Den Anfangspunkt seiner Werke bildet stets die eigene Erfahrung mit der Fluidität. Cherkaoui wächst als Kind einer belgischen Mutter und eines marokkanischen Vaters zwischen zwei Kulturen auf, arbeitet beruflich als Tänzer, Choreograf, Bühnenregisseur und Komponist und somit in verschiedensten Disziplinen gleichzeitig. Er erkundet seine Identität und setzt sich im Zuge dessen mit komplexen Dynamiken zwischen Gesellschaftsgruppen, Geschlechterrollen und Glaubenssätzen auseinander.

Häufig denken Cherkaouis Werke über Grenzen nach und übersetzen die Thematik der Diskriminierung in Bewegung. Während sie sich mit dem Anderssein befassen, arbeiten seine Stücke immer auch geteilte Erfahrungen heraus, woraus sich eine verbindende Wirkung ergibt.

Sidi Larbi Cherkaoui ist aktuell künstlerischer Leiter des Ballet du Grand Théâtre de Genève sowie seiner eigenen Kompanie Eastman. Zudem ist er Associate Artist am Londoner Sadler's Wells und am Théâtre National de Bretagne. Zu den vielen Auszeichnungen, die er während seiner Karriere erhielt, gehören zwei Olivier Awards, drei Tanz-Auszeichnungen als bester Choreograf (2008, 2011, 2017), der Jacob's Pillow Dance Award und der «Ultima», den die flämische Regierung für allgemeine kulturelle Verdienste vergibt.

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